Hinter den Kulissen der Plus Size Community – MIRIAM JEZEK – Teil 4

Hallöchen, ihr Süßen,

Jetzt habt ihr einiges von (Plus Size) Models gelesen, aber für viele ist dieses Business wenig greifbar. Heute zeige ich euch aber jemanden, der es euch möglich macht auch mit einer Kleidergröße jenseits der 42 eine wunderschöne, gutangezogene Figur zu machen – Plus Size Designerin Miriam Jezek.
Auch wenn Miriam aus Österreich kommt – und ich studier ja in Wien – haben wir uns bisher nicht noch kennengelernt. Trotzdem folge ich ihr schon länger auf Facebook und bekomme bei ihren geposteten Outfits immer diese „Haben-Muss“-Augen. (Kennt ihr die? :D) Ich bin auf jeden Fall ein großer Fan und ich freue mich Miriam am 24.04. beim Plus Size Modemarkt in Wien auch endlich persönlich kennenlernen zu dürfen. Einen ersten Einblick bekommen wir alle durch dieses schöne Interview:

Name:  Miriam Jezek
Alter: 37 Jahre
Wohnort: Vorarlberg/Wien (pendle regelmäßig hin und retour)
Hauptberuf: Modedesigner
Konfektion: 46/48
Website: http://www.grandstyles.at

(c) Miriam Jezek

    1. Wie bist du auf zum Plus Size Mode-Design gekommen?

      Ich selbst trage Größe 46/48 und finde es sehr schwer passende und auch modische Kleidung abseits der überweit geschnittenen Zipfelshirts zu finden. Besonders im qualitativ hochwertigen Segment ist das Angebot sehr rar. Es waren also zum einem die persönlichen Erfahrungen, das Feedback von Menschen die das gleiche Problem haben und natürlich auch eine ausgiebige Recherche in diesem Bereich. Bevor ich selbstständig wurde, habe ich auch schon jahrelang in der herstellenden Bekleidungsbranche gearbeitet, der Schritt war also naheliegend.

 

  • Was waren die ersten Reaktionen aus deinem Umfeld? Gab es (auch) negative Reaktionen?

    Dass ich eine Kollektion für Plus Size Mode auf den Markt bringen wollte fanden alle gut – weil dieses Segment in Sachen modischer/hochwertiger Produkte noch etwas hinterherhinkt. Allerdings haben einige Freunde bezüglich der Selbstständigkeit Ihre Bedenken geäußert.

 

 

  • Was ist deine Hauptmotivation Plus Size Mode zu designen? Was magst du daran?

    Dass Frauen in großen Größen durch meine Designs die Möglichkeit haben sich ebenso schick zu kleiden wie Frauen in kleinen Größen. Ein Pluspunkt an meinem Job ist, dass ich die Prototypen immer selbst probieren kann.

 

 

  • Was würdest du sagen unterscheidet dich von klassischen Designern?

    Durch meine jahrelangen Erfahrungen in Entwicklung und Produktion von Bekleidung habe ich ein sehr tiefgreifendes Backgroundwissen. Für viele Designer steht der kreative Part der Arbeit im Vordergrund, wie das Produkt anschließend entwickelt und produziert wird ist zweitrangig. Ich mache mir schon oft bei der Erstellung der Skizzen Gedanken darüber, wie die Verarbeitung sein wird. Das Produkt wird vom Entwurf bis zur Fertigstellung zumindest in Gedanken durchgespielt.

 

 

  • Wie stehst du zur Bezeichnung „Plus Size“?

    Ich finde den Begriff in Ordnung.  Irgendwie muss man ja differenzieren und im Prinzip ersetzt „Plus Size“ im heutigen Sprachgebrauch Eigenschaftswörter wie dick, mollig, korpulent, etc… die im Laufe der Jahre eine ablehnende Bedeutung bekommen haben. „Plus Size“ hat für mich eine positive Assoziation.

 

 

  • Hast du persönliche „Problemzonen“, die du nicht so magst?

    Meine großen Füße – Schuhgröße 43/44 kann hin und wieder zum „modischen Problem“ werden. Spaß beiseite, Problemzonen in dem Sinn – nein, aber ich hätte nichts dagegen wenn meine Dehnungsstreifen verschwinden würden.

 

 

  • Was magst du an dir besonders gern?

    Körperlich – dass ich groß bin (182cm) und meine blauen Augen.

 

 

  • Würdest du sagen du liebst dich so wie du bist?

    Definitiv ja!

    (c) Miriam Jezek
  •  War das schon immer so?

    Im Großen und Ganzen – ja. Natürlich hat man aber auch immer wieder Phasen an denen das nicht so ist und ich mir am liebsten die Haare ausreißen würde.

 

 

  • Glaubst du man kann es lernen? Woher glaubst du kommt der Unterschied im Selbstwert von Menschen?

    Ich denke man kann es lernen, sich zu akzeptieren so wie man ist und auch zufrieden damit zu sein. In der heutigen Zeit vergleichen wir uns viel zu oft mit anderen. In dieser leistungsorientierten Gesellschaft denkt man immer man muss sich gegenüber allem und jedem beweisen. Dabei setzen wir uns aber viel zu oft selbst unter Druck. Wie man sich als Erwachsener fühlt, hängt aber sicher auch von der Erziehung ab.

 

 

  • Warst du schon immer „Plus Size“ oder gab es einen Grund für eine Gewichtszunahme?

    Nach der Matura und als ich vor 10 Jahren nach Vorarlberg gekommen bin, habe ich zugenommen. Einfach weil ich nicht mehr so viel Sport gemacht habe wie vorher.

 

 

  • Hast du jemals eine Situation erlebt, wo du dich durch dein “Übergewicht“ eingeschränkt oder weniger wertgeschätzt gefühlt hast? Magst du davon erzählen?!

    Da gab es bisher keine Situation, die so schlimm war als dass sie mir im Gedächtnis geblieben wäre. Sicher gab´s hin und wieder Situationen in denen Leute hinter Deinem Rücken über Deine Figur lästern. Da bin ich aber nie darauf eingegangen.

    (c) Miriam Jezek
  • Hast du schon einmal eine Diät gemacht bzw. etwas gegen dein „Übergewicht“ unternommen?

    Ja, sicher. Vor ein paar Jahren habe ich für eine Zeit lang kohlenhydratarm gegessen. In Kombination mit einem selbstauferlegtem Sportprogramm (zur Motivation habe ich sogar ein Sporttagebuch geführt) sind dann auch einige Kilos gepurzelt. Das erreichte Gewicht habe ich bis heute ziemlich gut halten können. Aber von einseitigen Diäten halte ich nicht viel. Und wenn ich wo lese, dass man Bananen, Trauben, Avocados, Kartoffeln und dergleichen meiden soll, krieg ich die Krise. Obst und Gemüse meiden??? Versteh ich nicht. Achso, vielleicht meint man damit frittierte Bananen und Kartoffeln und mit Schokolade überzogene Trauben – ja, dann würde ich es verstehen.

 

 

  • Würdest du dich schlank wünschen, wenn du könntest?

    Was ist jetzt schlank? Als Größe 36 sehe ich mich definitiv nicht, also nein danke. Wenn ich mir was wünschen dürfte, dann einen trainierten Körper – der wäre dann definierter und nicht zwingendermaßen schlanker.

 

 

  • Hast du Tipps für Mädels/Jungs, die auch (Plus Size) Mode designen möchten?

    Ich finde es sehr wichtig von den umliegenden Prozessen nebst dem Entwerfen Erfahrung zu sammeln. Ein Designer muss heut zu Tage weitaus mehr wissen und können als nur hübsche Skizzen zu machen. Als Trainee in einen Betrieb anzufangen bietet zum Beispiel eine gute Möglichkeit viele Arbeitsbereiche kennen zu lernen. Viele Praktikanten, die ich in meiner Karriere betreute wollten ungerne nähen. Das gehört aber einfach zum Beruf dazu! Auch wenn man später keine Näherinnenkarriere anstrebt, ist es gut zu wissen was dahintersteckt, so lernt man auch gewisse Dinge beim Designen zu berücksichtigen. Schlussendlich erweckt nicht Zeichenstift oder Grafiktablet den Entwurf zum Leben, sondern Nadel und Faden.

 

 

  • Was würdest du sagen, ist die wichtigste Botschaft, die du als Plus Size Model/Bodypositivity-Unterstützer gern vermitteln würdest?

    Macht Eure Zufriedenheit nicht vom Maßstab anderer abhängig.

 

(c) Miriam Jezek
Miriams Models auf der Curvy- Messe
(c) Miriam Jezek
Miriams Models auf der Curvy- Messe

 

  • Wie sieht dein weiterer Weg aus? Hast du geplante Projekte, Pläne, Wünsche im Zusammenhang mit dem Plus Size Modeln?

    Zurzeit arbeite ich gerade an den Produkten für das Plus Size Modeevent am 24.4. in Wien. Es wäre schön, wenn diese Veranstaltung beim Publikum gut ankommt und in Zukunft mehr in diese Richtung stattfinden würden. Eine regelmäßiges Event für die Plus Size Kundin – das wäre toll!Meinen Webshop bringe ich auch auf Vordermann, damit die Bedienung im Bestellvorgang einfacher wird. Im Juli geht’s wahrscheinlich zur Interfiliere (Stoffmesse für Lingerie und Swimwear) um neue Inspirationen zu holen. Lasst Euch überraschen, demnächst gibt’s vielleicht grand Lingeriestyles von Miriam Jezek..

 

Wie schon zu Beginn gesagt: ich liebe, was du machst, Miriam. Bei mir hat Mode sehr viel Einfluss auf meine Stimmung. Hab ich was schickes an, auf das ich stolz bin, fühle ich mich wie beflügelt. Du bist also ein Mensch, der auch kurvigen Menschen quasi Flügel verleiht. Du bist mit deinem Konzept in Österreich noch ein größerer Pionier als in Deutschland und dafür sollten wir dir alle danken. Ich hoffe, dass du viel Erfolg mit deiner Mode haben wirst und wünsche dir viel Ausdauer, sowie weiter so viel Mut und Kraft für die Umsetzung aller deiner Pläne.

Küsschen an alle, eure Stephie

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