Hinter den Kulissen der Plus Size Community – ELLI von CURVYFASHIONELLI – Teil 7

Meine Lieben,

wir hatten jetzt schon Models, Designer, bloggende Models, Missen und zuletzt unseren ersten Plus Size Mann. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich neue Antworten zu meinen bereits bekannten Fragen lese. Hier präsentiere ich euch nun eine Vollblut-Bloggerin, deren Blog ich selber – als einen meiner ersten – regelmäßig lese. Vorhang auf für die wunderbare Elli von

(c) http://www.curvyfashionelli.com

Name:  Elli
Alter: 35
Wohnort: Stuttgart
Hauptberuf: Auftragskoordinatorin
Konfektion: 52/54
Blog: http://www.curvyfashionelli.com

(c) Elli
    1. Wie bist du zum Plus Size Bloggen gekommen?

      Zwei meiner größten Leidenschaften im Leben sind Mode/Kosmetik und das Schreiben. Da ich mich anfangs vor 5 Jahren noch nicht richtig traute, mich ganz auf Fotos zu zeigen, fing ich an über Kosmetik und alltägliches zu bloggen. Damals gab es auch noch kaum deutsche Plus-Size-Blogs und erst nachdem ich immer mehr Modeblogs für dicke Mädchen entdeckte, traute ich mich selbst auch, meine Outfitexperimente online zu stellen. Anfangs war es eine große Überwindung und wenn ich meinen Stil von damals sehe, wird mir heiß und kalt, aber gerade das finde ich schön, ich kann meine Entwicklung über viele Jahre hinweg betrachten und damit hat der Blog seine ursprüngliche Aufgabe, nämlich den Tagebuchcharakter, wieder erfüllt.

 

  • Was waren die ersten Reaktionen aus deinem Umfeld? Gab es (auch) negative Reaktionen?

    Zumindest wurden mir keine negativen Kommentare rückgemeldet. Eigentlich kamen immer nur positive Reaktionen, dass ich mich traue, mich trotz meiner Nicht-Modelmaße vor die Kamera zu stellen. Vor allem meine Kolumnen wurden immer sehr gelobt.

 

 

  • Was ist deine Hauptmotivation zu bloggen? Was magst du daran?

    Es gibt nicht nur eine Motivation, es sind sogar sehr viele.  Ich sehe meinen Blog nicht als Werbeplattform, wie das einige andere Blogger vielleicht sehen, sondern als Kunstobjekt, Tagebuch, eigene Entwicklungsreise und Mutmacher für andere. Wenn ich E-Mails bekomme von Frauen, die sich bedanken, weil sie durch mich mehr Selbstbewusstsein bekommen haben, sich auch mal in ein Kleid getraut haben oder endlich mal Farbe in den Kleiderschrank einziehen durfte und ich merke, die Frauen sind jetzt glücklicher als davor – dann ist das meine allergrößte Motivation.

 

 

  • Verdienst du damit „Geld“ oder bekommst du etwas dafür von z.B. Kunden/Labels? Ist das eine Motivation – damit einmal Geld zu verdienen?

    Dass ich damit hin und wieder auch etwas Geld verdiene führte dazu, dass ich mittlerweile in meinem Hauptjob weniger arbeite, um mich meiner Leidenschaft dem Bloggen noch besser widmen zu können. Aber dass ich davon leben kann, davon bin ich noch weit entfernt und das ist auch gut so, denn ich bin froh, noch einen „normalen“ Job in einem normalen Büro zu haben, wo man jeden Tag hinfahren, sich mit Kollegen austauschen und auch mal über andere Sachen als Mode und Blogs reden kann. Ich bin ein Mensch, der immer an vielen verschiedenen Projekten arbeiten muss, da ich mich sonst schnell langweile.

 

 

  • Was würdest du sagen unterscheidet dich von klassischen Bloggern?

    Ich bin nicht die cleane, Strukturierte Bloggerin, die ihre cremefarbene Designertasche auf Lammfell neben der Chanel-Sonnenbrille fotografiert. Ich bin ein chaotischer Mensch. Und dies spiegele ich auch in meinem Blog wieder. Bei mir muss nicht alles zusammenpassen. Ich will nicht wie alle sein. Man kann doch mittlerweile viele Blogger einfach austauschen, die Persönlichkeit fehlt. Deshalb lege ich auch Wert auf persönliche Posts, die Einblick in mein Seelenleben geben. Und da nehme ich auch kein Blatt vor den Mund.

 

 

  • Wie stehst du zur Bezeichnung „Plus Size“?

    Natürlich wäre es schöner, wenn wir diese Begrifflichkeit nicht mehr bräuchten, sondern einfach alles in allen Größen verfügbar wäre. Aber so weit sind wir noch lange nicht. Ich denke die dicken Frauen sind momentan in einer Phase des Umbruchs, finden zu mehr Selbstbewusstsein und Begriffe wie Plus Size sind immer weniger negativ behaftet, jetzt kommt die Phase dieses Selbstbewusstsein zu stärken und zu sagen, wir sind zwar Plus Size – aber wir sind trotzdem toll! Irgendwann werden diese Klassifikationen nicht mehr notwendig sein, aber bis dahin werden sicher noch viele Jahre vergehen. Und sind wir mal ehrlich, Plus Size klingt auch einfach netter als „Übergröße“ oder „Moppelmode“.

 

 

  • Hast du persönliche „Problemzonen“, die du nicht so magst?

    Eigentlich habe ich tatsächlich nur mit meinem Bauch ein wirkliches Problem. Alle anderen Zonen mag ich echt gerne, aber der Bauch ist sozusagen meine „Achillesferse“. Ich würde gerne mal auch Shirts oder Blusen in die Hose stecken können ohne dass es doof aussieht. Eine weitere Problemzone sind meine Haare, die leider zu dünn und fisselich sind und sich keine tollen Frisuren damit zaubern lassen.

 

 

  • Was magst du an dir besonders gern?

    Optisch oder charakterlich?
    Ich fange mal mit dem Charakter an, denn der ist das wichtigste an einem Menschen. Ich mag es, dass ich zu einem hilfsbereiten und freundlichen Menschen erzogen wurde. Ich bin (meist) pünktlich und zuverlässig und eigentlich mag ich auch meine spontane Art und meine übersprudelnden Ideen.
    Optisch mag ich mein Gesicht, meine Augen, meinen Busen und meine Beine ab dem Knie abwärts 😀

 

 

  • Würdest du sagen du liebst dich so wie du bist?

    Ich habe definitiv zu mehr Selbstliebe gefunden in den letzten 5 Jahren seit ich blogge. Aber es gibt auf jeden Fall Dinge die ich gerne an mir ändern würde, denn mein Übergewicht schränkt mich teilweise noch körperlich ein.  Das bedeutet nicht schlank sein, wie gesagt, die Problemzone Bauch dürfte gerne kleiner werden.

    (c) Elli
    (c) Elli
  •  War das schon immer so?

    Ich hatte seit ich denken kann ein Problem mit meinem Körper. Ich war schon immer übergewichtig und dies war auch immer schwierig für mich. Ich habe mich für meinen Körper sehr geschämt und wünschte mir heute, es hätte eine Bodypositive-Bewegung schon in meiner Jugendzeit gegeben.

 

 

  •  Wie hast du es geschafft?

    Dadurch dass ich irgendwann merkte, hey, auch wenn die anderen sagen, dass du zu fett bist, so schlimm ist es doch gar nicht. Ich fing an, mein Spiegelbild zu mögen, als ich das Internetshopping für mich entdeckte und mir endlich die Kleidung kaufen konnte, die ich wollte und mit der ich meine Persönlichkeit zum Ausdruck bringen konnte.

 

 

  • Glaubst du man kann es lernen sich selbst zu lieben? Woher glaubst du kommt der Unterschied im Selbstwert von Menschen?

    Die Außenwelt und das Feedback von außen spielt natürlich eine sehr große Rolle. Wenn man ständig rückgemeldet bekommt, weniger wert zu sein, weil man dick ist, dann glaubt man das irgendwann. Dick wird eben immer als faul und undiszipliniert hingestellt. Ich denke, dass Blogger hier eine große Rolle spielen um diesen Frauen zu zeigen: nur weil du dick bist, bist du nicht gleichzeitig weniger wert. Du kannst trotzdem schön, ehrgeizig und erfolgreich sein.

 

 

  • Warst du schon immer „Plus Size“ oder gab es einen Grund für eine Gewichtszunahme?

    Ich kann mich nicht erinnern, jemals schlank gewesen zu sein, außer vielleicht bei meiner Geburt 😉 Ich war schon immer „mehr“, mit 13 trug ich schon Kleidergröße 40/42 mit steigender Tendenz.

 

 

  • Hast du jemals eine Situation erlebt, wo du dich durch dein “Übergewicht“ eingeschränkt oder weniger wertgeschätzt gefühlt hast? Magst du davon erzählen?!

    Ja, sehr, sehr viele. Ich hatte mal ein Vorstellungsgespräch, mit der Absage kamen versehentlich auch die Notizen des Interviewpartners über mich und die waren eher weniger nett. Dann sind es eben Dinge wie zu enge Flugzeugsitze und zu kurze Gurte im Flugzeug und die angsterfüllten Blicke der Mitreisenden, wenn ich einsteige – schließlich will niemand neben mir sitzen müssen. Mit dem Schwarm auf den Rummel zu gehen und wieder aus dem Fahrgeschäft aussteigen zu müssen, weil der Bügel nicht zugeht zählt im Übrigen auch zu Erlebnissen, auf die man als junger Mensch wirklich verzichten kann. Eingeschränkt fühle ich mich auch in der alltäglichen Bewegung, das habe ich spätestens beim Klippenklettern in Südengland bemerkt, als ich mir eben wirklich die Gelenke kaputtgemacht habe, weil ich nicht auf tolle Küstenpfade verzichten wollte. Momentan arbeite ich sehr viel an meiner Fitness, denn ich Reise unglaublich gerne und möchte noch viele Orte auf dieser Welt „erklettern“.

 

 

  •  Hast du schon einmal eine Diät gemacht bzw. etwas gegen dein „Übergewicht“ unternommen?

    Unzählige. Eigentlich seit ich 14 bin unternehme ich jährlich Abnehmversuche. Ich habe schon oft 15, 20, 35 Kilo abgenommen, immer schneller kletterte es wieder nach oben. Diäten sind das schlimmste was man tun kann, viel eher sollte man versuchen, sich eine gesunde Lebensweise anzueignen und sich darüber klar werden, dass Essen keine Sünde ist, solange es das richtige ist.

 

 

  • Würdest du dich schlank wünschen, wenn du könntest?

    Ganz schlank nicht, nein. Ich mag Kurven und wenn ich wählen könnte, würde ich mich wohl für eine Kleidergröße 42/44 entscheiden.

 

 

  • Hast du Tipps für Mädels/Jungs, die auch (Plus Size) Bloggen möchten?

    Ihr müsst euch bewusst sein, dass nicht jeder euch und euren Körper toll findet und ihr sicher auch negative Kommentare bekommen werdet. Also sollte das „Fell“ schon ein bisschen dicker sein. Wer erfolgreich bloggen möchte sollte Wert auf Qualität der Bilder und der Texte legen. Der Blog sollte übersichtlich und gut lesbar sein. Euer Stil sollte Wiedererkennungswert haben.

 

 

  • Was würdest du sagen, ist die wichtigste Botschaft, die du als Plus Size Blogger/Bodypositivity-Unterstützer gern vermitteln würdest?

    Jeder Mensch ist gleich viel wert, und mir ist wichtig, dass dies allen auch bewusst wird. Jeder hat das Recht, sich gut und schön zu fühlen. Außerdem ist mir auch wichtig zu zeigen, dass dick nicht gleichbedeutend mit faul, undiszipliniert und träge ist.

    (c) Elli
    (c) Elli

     

  • Hast du ein Vorbild, das dich in deiner Mode-/Bloggertätigkeit bestärkt?

    Ich finde Tess Holiday sehr inspirierend, weil sie zeigt, dass sie auch in einer sehr großen Größe eine sehr attraktive Frau ist, die ihren Weg gegangen ist und diesen auch noch sehr erfolgreich.

 

 

  • Wie sieht dein weiterer Weg aus? Hast du geplante Projekte, Pläne, Wünsche im Zusammenhang mit dem Plus Size Bloggen?

    Ich lasse gerne alles auf mich zukommen, aber gerne würde ich noch mehr Öffentlichkeit erreichen, um auf meine Botschaft aufmerksam zu machen, ich wünsche mir mehr Kreativität im Kopf um öfter Kolumnen zu schreiben, die zum Nachdenken anregen und natürlich wünsche ich mir, mich modisch immer mehr austoben zu können und dies auch zu präsentieren. Außerdem wären mehr Veranstaltungen in der Plus-Size-Community toll, um sich mehr zu vernetzen und auszutauschen.

 

Wie bei jedem Interview nun ein paar Worte von mir an dich:
Liebe Elli, dein Interview hat mich unglaublich berührt. Man liest deine Euphorie, deine Liebenswürdigkeit, aber auch deine Sensibilität und deinen bisher steinigen Weg in jeder Zeile. Ich finde dich unglaublich inspirierend. Du bist so unglaublich stark, hast deine vermeindliche Schwäche – mit der so viele Menschen dich immer wieder klein gemacht haben – zu einer absoluten Stärke entwickelt. Du hast einen Weg gefunden dich selbst glücklicher zu machen, auch wenn eine Situation nicht optimal ist. Du behälst stets deine eigene Meinung und äußerst sie frei heraus. Deine Blog-Serie „Mein Weg zurück ins Leben“ hat mich wirklich mitgenommen und ich finde du kannst so stolz auf dich sein.
Ich bin fest davon überzeugt, dass nach Selbstakzeptanz und „Bodylove“ ein Verhältnis zum eigenen Körper folgt, mit dem wir uns endlich selber Gutes tun und tun wollen. Denn eine Null-Diät ist ja auch nix anderes als Selbstbestrafung. Und in diesem Zusammenhang erscheinst du für mich als absolutes Vorbild – du akzeptierst dich, du versuchst deinem Körper und deinem Leben Gutes zu tun und du sprichst darüber, damit andere dir folgen können, die vielleicht noch einen Anstoß benötigen.
Bodylove ist eben mehr als zu „akzeptieren, dass man dick ist“ – es ist Liebe zu sich und zum Leben. Und die zeigst du mit deinem Blog in allen Facetten. Danke dafür.

(An dieser Stelle danke auch an die beteiligten Fotografen, die es möglich machen, dass ich euch die liebe Elli auch „zeigen“ kann.)

Einen dicken Schmatzer an euch, eure Stephie

Ein Kommentar

  1. Liebe Stephie,

    vielen vielen Dank für das Interview und deine persönlichen Worte an mich. Auch diese haben mich sehr bewegt 🙂 Ich wünsche dir noch ganz viel Erfolg mit deinem Blog! Mach weiter so!

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