Hinter den Kulissen der Plus Size Community – VANESSA von BE REAL. BE PLUS.- Teil 9

Herzlich willkommen auf Kurven und Kanten,

Und zum unglaublichen Teil 9 meiner Interview-Serie. Unfassbar. Danke an alle Mitwirkenden für die Arbeit, die ihr immer in diese Interviews steckt und für euer Vertrauen. Heute möchte ich euch meine liebe Freundin Vanessa vorstellen. Ich habe sie 2013 bei einem gewonnenen Styling-Workshop von Sheego kennengelernt und wie das manchmal so ist: wir waren sofort auf einer Wellenlänge. Bis heute hat uns diese „Connection “ nicht verlassen und wir sprechen usn noch regelmäßig – trotz einige Kilometer zwischen uns. Beide haben wir bei diesem Workshop „Blut geleckt“ – ich weiß heute noch wie Vanessa damals sagte „Ich kenn mich eigentlich so gut aus, ich könnte wahrscheinlich einen Blog führen.“. Mich hat es zum Modeln gebracht und was soll ich sagen, heute – 2,5 Jahre nach diesem Satz hat sie einen Blog. – einen erfolgreichen, der im Moment seinen ersten Geburtstag feiert.

Name:  Vanessa Casper
Alter: 32
Wohnort: Hannover
Hauptberuf: Online-Redakteurin
Konfektion: 48 (teils 46)
Blog: http://www.be-real-be-plus.blogspot.de
be real. be plus. - Plus Size Fashion Blog - deutsch und english

 

(c) Vanessa Casper
    1. Wie bist du zum Plus Size Bloggen gekommen?

      Ich habe mich schon immer für Mode interessiert, aber bin nie auf die Idee gekommen, darüber zu bloggen. Dann bin ich irgendwann über ein paar andere Plus Size Blogs gestolpert und habe diese lange einfach nur gelesen. Und irgendwann habe ich mir dir Frage gestellt: Warum nicht du auch? Nachdem ich noch Wochen und Monate mit mir selbst diskutiert habe, habe ich es einfach gemacht. 🙂

    2. Was waren die ersten Reaktionen aus deinem Umfeld? Gab es (auch) negative Reaktionen?

      Eigentlich gab es nur positive Reaktionen auf meinen Blog. Wobei ich es anfangs auch nur den wenigsten Leuten erzählt habe. Ich wollte für mich erst mal rausfinden, ob das Bloggen überhaupt etwas für mich ist. Daher habe ich es nicht an die große Glocke gehängt. Inzwischen weiß es fast jeder in meinem Umfeld. Manche finden es toll und manche ein bisschen verrückt oder sind überrascht.

    3. Was ist deine Hauptmotivation zu bloggen? Was magst du daran?

      Worüber man sich am meisten als Blogger freut, sind um ganz ehrlich zu sein, wachsende Leserzahlen und auch Kommentare. Aber wenn man nur dafür bloggt, muss man sich nicht das Thema Plus Size aussuchen. Für mich ist Mode ein Teil von mir und ich finde, mehr kurvige Frauen sollten sich trauen, sich zu zeigen. Und wenn ich auch nur einen Kommentar lese, dass mein letztes Outfit jemanden inspiriert hat, das erste Mal im Leben einen Rock zu tragen, dann hat sich schon alles gelohnt. Ich glaube, das Bloggen ist auch eine Art Therapie. Denn wenn man Fotos von sich hat in Outfits, die man mag und man beim Anschauen sagen kann „Die Fotos gefallen mir. Ich finde mich hübsch.“ dann tut das unglaublich viel für das Selbstbewusstsein oder Selbstwertgefühl. Daher kann ich  alle Frauen, die ungern Fotos von sich machen lassen, nur ermutigen: Doch, macht es!

    4. Verdienst du damit „Geld“ oder bekommst du etwas dafür von z.B. Kunden/Labels? Ist das eine Motivation – damit einmal Geld zu verdienen?

      Bei mir ist es eine Mischform. Ich kooperier mit einigen Firmen, wo ich dann auch mal Geld oder Kleidung bekomme. Allerdings wäre es ein Fehler, einen Blog zu starten, nur um eben Geld und  Kleidung zu bekommen. Denn ein Blog ist viel Arbeit und wird meiner Meinung nach nur gut, wenn man auch ein gewisses Maß an Leidenschaft mit bringt. Natürlich freut man sich, wenn beim Bloggen auch noch etwas bei rumkommt, weil es eine andere Art der Wertschätzung für die Leistung ist.  Da ich aber kein hauptberuflicher Blogger bin, bin ich nicht darauf angewiesen, mit meinem Blog Geld zu verdienen.

      (c) Vanessa Casper
      (c) Vanessa Casper

       

    5. Was würdest du sagen unterscheidet dich von klassischen Bloggern?

      Das ist eine ziemlich schwierige Frage. Ich glaube, jeder Blogger hat etwas, das ihn auszeichnet und von anderen unterscheidet. Bei manchen ist es direkt das Thema, bei anderen der Fotografie-Stil, die Themenauswahl oder einfach nur die Grußformel. Ich habe mir meinen Blognamen „be real. be plus.“ aus dem Grund ausgesucht, weil ich eben mich so zeigen will, wie ich bin. Daher retuschiere ich meine Bilder zum Beispiel auch nicht, um irgendwelche Falten oder  Speckrollen wegzubekommen. Und auch wenn ich es liebe, Highheels zu Outfits zu sehen, sieht man das auf meinem Blog selten, weil ich so hohe Schuhe auch im echten Leben wenig trage.

    6. Wie stehst du zur Bezeichnung „Plus Size“?

      Ich persönlich finde den Begriff ganz gut. Ist zwar nur übersetzt „Große Größen“, aber klingt irgendwie viel netter. Ich finde, die Bezeichnung bringt mehr  Power und Selbstbewusstsein mit. Auch wenn sich einige an dem Begriff stören – ich finde ihn total okay.

    7. Hast du persönliche „Problemzonen“, die du nicht so magst?

      Ich denke, jeder hat Problemzonen. Ganz egal, wie dick oder dünn er ist. Wenn es eben nicht das Bäuchlein ist, dann ist es vielleicht die große Nase.  Das ist bei mir auch so, da mache ich keinen Hehl draus. Ich habe auch einige Dinge, die ich lieber verstecke, als zeige. Allerdings habe ich mir selbst die Herausforderung gestellt, mich immer ein wenig mehr aus meiner Komfortzone herauszuwagen.

    8. Was magst du an dir besonders gern?

      Ich weiß, es klingt kitschig, aber das sind tatsächlich meine Augen. Die sind quasi „katzen-grün“ und haben noch eine Art gelben Stern drum rum.  Ansonsten mag ich aber auch (bitte nicht lachen) meine Füße und Daumen. 😀

    9. Würdest du sagen du liebst dich so wie du bist?

      Puh, Liebe ist da ein echt starkes Wort. Ich bin noch immer auf einer Reise zu mir selbst. Und mit der Zeit lerne ich immer mehr, mich selbst zu akzeptieren und zu mögen. Irgendwann bin ich dann vielleicht beim Lieben angekommen. Ich muss da immer an ein inspirierendes Zitat denken an das ich versuche, mich zu halten: Seinen Körper nur zu lieben, wenn er in Form ist, ist wie seine Kinder nur zu lieben, wenn sie sich benehmen.

      (c) Vanessa Casper
      (c) Vanessa Casper
    10.  War das schon immer so?

      Ich war zwar schon immer selbstbewusst, aber habe mich früher überkritisch gesehen. Und da war ich sogar noch um einiges schlanker als jetzt. Aber früher war eben nicht alles besser… 😉

    11.  Wie hast du es geschafft?

      Einen echten Trick gibt es nicht, wie man lernt, sich selbst zu akzeptieren so wie man ist. Aber drei Dinge kann ich euch nur mitgeben, die ich auf meinem Weg gelernt habe.
      1. Wenn ihr ein Kompliment bekommt, meinen die Leute es wahrscheinlich so, wie sie es sagen. Sagt einfach Danke und nehmt es an. Spielt es nicht herunter!
      2. Selbstzweifel ist euer schlimmster Feind. Wenn jemand in der Bahn lacht, ist es vermutlich nicht, weil ihr heute mal einen kurzen Rock tragt und sie sich über euch lustig machen. Wahrscheinlich hat jemand nur einen Witz erzählt. Die Welt dreht sich nicht nur um euch – im allerbesten Sinne!
      3. Es ist okay, sich selbst in einem Outfit oder mit besonderem Make-Up hübsch zu finden. Ihr habt vielleicht nicht so volle Lippen oder eine so schmale Taille wie die neben euch, aber das braucht ihr auch nicht.  Vielleicht beneidet euch die Person neben euch wegen eures knackigen Hinterns oder der tollen Haare. Seht nicht nur die negativen Seiten an euch. Auch wenn ihr nicht perfekt seid, seid ihr schön.

    12. Warst du schon immer „Plus Size“ oder gab es einen Grund für eine Gewichtszunahme?

      Ich habe schon sehr früh an Gewicht zugelegt. Bis ich 8 Jahre alt war, war ich sehr dünn. Aber auch strohblond. So ändern sich manche Dinge einfach. 🙂 Ich habe lange Zeit eine unentdeckte Schilddrüsenunterfunktion gehabt, was sich nicht unbedingt positiv auf mein Gewicht ausgewirkt hat. Aber man muss auch fairer Weise sagen, dass ich sehr gerne esse und genieße. Bei Süßigkeiten kann ich nur schwer vorbeigehen…

    13. Hast du jemals eine Situation erlebt, wo du dich durch dein “Übergewicht“ eingeschränkt oder weniger wertgeschätzt gefühlt hast? Magst du davon erzählen?!

      Es gab schon so einige Situationen, in denen ich mich wegen meines Gewichts unwohl gefühlt habe. Das fing beim Schulsport an und ging bis zu Fahrgeschäften in Freizeitparks, wo ich nicht mitgefahren bin, weil ich Angst hatte, nicht in den Sitz zu passen. Auch im zwischenmenschlichen  Bereich habe ich mich lange zurückgezogen. Ich hatte zum Beispiel erst ganz spät einen festen Freund. Das Kuriose daran: nicht unbedingt, weil es keinen potentiellen Kandidaten gegeben hätte. Sondern weil ich von vorneherein alles abgeblockt habe und mich nicht auf etwas einlassen wollte. Ich denke, das ist eigentlich das  größte Problem. Dass man sich selbst viele Chancen entgehen lässt, weil man mit sich selbst so hart ins Gericht geht.

      (c) Vanessa Casper

       

  1.  Hast du schon einmal eine Diät gemacht bzw. etwas gegen dein „Übergewicht“ unternommen?

    Ich habe in der Zwischenzeit schon so einiges ausprobiert. Von Fasten, über Low-Carb und sogar das Programm von Detlef D. Soost habe ich ausprobiert. Aber bei mir hat das alles nichts oder nur ganz wenig gebracht, was den Aufwand nicht wert war. Bisher das einzige Mal Erfolg habe ich tatsächlich mit Weight Watchers gemacht. Da hatte ich fast 20 Kilo abgenommen. Aber nach einer langen Krankheit bin ich nicht wieder ins Programm gekommen und hab über die Jahre alles wieder zugenommen.

  2. Würdest du dich schlank wünschen, wenn du könntest?

    Da gibt es von mir ein klares Jein. 😉 Wenn ich mir was aussuchen könnte, würde ich mich schlanker wünschen, um ehrlich zu sein. Und ich finde, das darf man auch sagen, obwohl man für Akzeptanz von Plus Size ist. Mein Traum wäre allerdings so eine Größe 40. Ich mag meine Kurven, ich muss also keine Size Zero sein. Aber  allein überall einkaufen zu gehen, wo ich will, wäre schon ein Traum.

  3. Hast du Tipps für Mädels/Jungs, die auch (Plus Size) Bloggen möchten?

    Der wichtigste Tipp, ist auch schon der wichtigste: einfach machen! Ich habe ja selbst lange gebraucht, weil man sich mit seinem vermeintlichen Makel so in den Mittelpunkt rückt. Aber ihr werdet schon bald sehen, dass es nicht nur Spaß macht, sondern euch auch ganz viel gibt. Ihr solltet euch gleich zu Beginn jemanden suchen, der gerne Fotos von/mit/für euch macht. Denn das ist aus meiner Sicht fast das Schwierigste an der Sache.

     

  4. Was würdest du sagen, ist die wichtigste Botschaft, die du als Plus Size Blogger/Bodypositivity-Unterstützer gern vermitteln würdest?

    Ich finde, die Botschaft ist relativ einfach: akzeptiert Körper wie sie sind – eure und die anderer Leute. Wenn uns das gelingt, wird es für alle eine schönere Welt… Manchmal kann es so einfach sein.

    (c) Vanessa Casper
  5. Hast du ein Vorbild, das dich in deiner Mode-/Bloggertätigkeit bestärkt?

    Ein klassisches Vorbild habe ich nicht. Ich lasse mich gerne von vielen Einflüssen inspirieren. Seien es andere Bloggerinnen hier aus Deutschland, die Plus Size Blogger aus den USA (die oft schon einen Schritt weiter sind als wir Deutsche) oder auch kurvige Frauen, die ihren Weg in der Welt machen. Das kann Sängerin Adele sein, Maite Kelly mit ihrer eigenen Plus Size Kollektion oder auch mein Liebling Guido Maria Kretschmer, der immer so herrlich offene, aber liebevolle, Worte über Moppel findet.

     

  6. Wie sieht dein weiterer Weg aus? Hast du geplante Projekte, Pläne, Wünsche im Zusammenhang mit dem Plus Size Bloggen?

    Das Hauptziel ist es, an meinem Blog weiter zu arbeiten und ihn besser zu machen. Natürlich habe ich auch Träume, die deutlich größer sind, aber über die will ich noch nicht sprechen. Entweder wird es eine Überraschung, wenn ich damit um die Ecke komme oder es  bleiben einfach wunderschöne Gedanken in meinem Kopf. 🙂

    Seht ihr mich? Seht ihr mich? Diese tolle Collage von diesen tollen Workshop-Tagen bei Sheego hat Nessi
    auf ihrem Blog. *_*
    (c) be real. be plus.

    Nessi, ich habe es dir eigentlich schon oft gesagt, aber hier auch nochmal: Ich hab dich so unglaublich lieb und bin immer noch beeindruckt wie entspannt wir uns einfach gefunden haben. Und wie ist es mit guten Freunden? Die braucht man nicht dauernd sehen und trotzdem sind sie da. Du bist für mich so eine Freundin. Ich genieße es, wenn du shoppen warst und mir deine gesamte Ausbeute auf Fotos präsentierst und ich möchte dir dafür danken, dass ich dich auch mit diesem Blog ständig um Rat fragen kann. Sicher ist es erst einmal ein blödes Gefühl – man investiert so viel Arbeit und Leidenschaft in sein Projekt und dann kommt eine Freundin und will genau das gleiche machen. UND fragt einen sogar noch nach Hilfe. Mir ist es sehr wichtig, dass du weißt, dass du eine absolute Inspiration für mich bist. All das, was du so machst, trug viel dazu bei, dass es diesen Blog gibt. Du bist meine Muse quasi 🙂
    Achso und noch etwas zum Schluss: ich werde echt böse, wenn du es nicht bald mal schaffst mich in Wien zu besuchen. Dann gibts richtig Stress! 😀 Nein, ich vermisse dich sehr. Besuch mich bald.

Ich drück euch, eure Stephie

Ein Kommentar

  1. Liebe Stephi, es ist immer so schön, was für wundervolle Worte du findest. Du bist ein ganz besonderer Mensch und ich freue mich, dass ich dich auf deinem Weg begleiten und unterstützen kann. 🙂
    Liebe Grüße
    Vanessa

    P.S. Der Plan, dich in diesem Jahr zu besuchen, steht noch. 😉

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