[FILM] EMBRACE! Wie wir uns systematisch unser wunderschönes Leben zerstören…

Ihr Süßen,

viel diskutiert wurde er bereits, heiß ersehnt auch und eigentlich ist kein richtiger BoPo-Aktivist an ihm vorbei gekommen: Der „Wohlfühlfilm“ EMBRACE.

Nun war gestern der einzige Tag, wo man ihn in deutschen und österreichischen Kinos anschauen durfte und so zog es auch mich dorthin. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich das Buch von Australierin Taryn Brumfitt, deren Reise und Recherche dieser Dokumentarfilm begleitet, schon sehr lange zuhause liegen habe, es aber bisher nicht geschafft habe, es zu lesen.

Ich weiß, dass den Film viele von euch gesehen haben werden, aber ich möchte trotzdem meine eigenen Eindrücke schildern.

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https://www.facebook.com/Embrace.DerFilm

Grundsätzlich kam es zu „Embrace“, da sich Taryn nach der Geburt ihrer drei Kinder in ihrem Körper nicht mehr wohlfühlte und sehr erfolgreich an einem Bodybuilding-Wettbewerb für Frauen teilnahm. Dass das so lang ersehnt Ziel nach dem „perfekten“ Körper schlussendlich nicht zu dem großen Glück und der vollständigen Befriedigung führte, musste sie allerdings im Anschluss darauf erfahren. Sie genoss das Leben und kehrte von einem durchtrainierten Show-Body zu einer gemütlichen, genießenden Durchschnittsfrau zurück. Viel Aufmerksamkeit erregte sie damit, als sie ihr eher ungewöhnliches „Vorher-Nachher-Bild“ auf Facebook teilte und millionenfach positive Reaktionen darauf erhielt. Sie stellte fest, dass ihre Body-Issues keinesfalls eine Seltenheit waren und Frauen auf der ganzen Welt am allgemeinen Schönheitsideal verzweifeln. Im Film wird ihre Reise um die ganze Welt dokumentiert – die Mission: endlich Antworten zu finden, warum so viele Menschen heutzutage sich nicht „gut genug“ fühlen, die schlimmsten selbstzerstörerischen Maßnahmen ergreifen um „perfekt“ zu sein und herausfinden, was man gegen diesen Teufelskreis tun kann.

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(c) https://www.facebook.com/Embrace.DerFilm

Was mir besonders positiv aufgefallen ist: Es geht hier nicht nur um dick oder dünn. Natürlich wird das Plus Size Model gezeigt, was vom Druck der Modeindustrie unter Depressionen litt, und auch eine Magersüchtige appeliert dazu, niemals mit dem Essen aufzuhören. Trotzdem werden Frauen mit Bart, Frauen mit nur einer Brust, Frauen in der Öffentlichkeit, Frauen mit starken Verbrennungen und Frauen mit Muskeldysfunktionen auf einer Gesichtshäfte gezeigt. Frauen, die nicht dem Standardschönheitsideal der Webeindustrie entsprechen, aber dieses trotzdem zu einer Stärke umgewandelt haben, statt sich davon unter Druck setzen zu lassen. Es wurde gezeigt, dass „normale“ Frauen mit Cellulite, Schwangerschaftsstreifen oder irgendwelchen Besonderheiten nicht in unserer Werbe- und Modeindustrie vertreten sind. Sie werden einfach totgeschwiegen und „Alliens“ zum Nacheifern geboten, die nur in Photoshop existieren.

Der Grundkonsens war also, dass uns einerseits die Werbe- und Modeindustrie so täuscht, dass wir denken mit uns stimme etwas nicht – nicht mit dem System. Andererseits sind wir selber schuld. Denn: WIR ZERSTÖREN UNSERE PERFEKTEN LEBEN MIT DEM STREBEN NACH PERFEKTION. Immer wieder wird angesprochen, dass es viel Wichtigeres gibt, als ultimative Schönheit und dieser Norm zu entsprechen.
Also haben wir uns selber ein ultimatives Luxusproblem geschaffen?! Wir machen ein eigentlich eher nebensächliches Thema (im Gegensatz zu Gesundheit, Familie und Tod) zum Hit-Thema der westlichen Welt und schaffen Platz für eine millardenschwere Schönheitsindustrie mit Chirurgen, Diätprodukten, Kosmetika und Co. …
Wir befinden uns auf einer Jagd nach etwas, das wir nie erreichen können (denn niemand ist perfekt) und „rennen“ quasi an unserem Leben vorbei.
Jetzt kann man sagen: GENAU, es ist ein Luxusproblem. Ja, aber ein riesiges mit weitreichenden Folgen! Diese Jagd, die wir begonnen haben, frisst sich in unsere Köpfe. Sie saugt sämtliche Energie, führt zu Depressionen, lebensbedrohlichen Essstörungen, noch dramatischeren Folgen für zukünftige Generationen und Ausgrenzung von Menschen, die wir für ihre Besonderheiten eigentlich schätzen und bewundern sollten.

An dieser Stelle ein evolutionärer Fakt:
Frei nach Darwin’s Evolutionstheorie „Survival of the Fittest“ ist es gar nicht klug für eine Gesellschaft homogen zu sein. Besonderheiten sichern nämlich bei einer Änderung der Umweltbedingungen den Fortbestand einer Spezies. (Tieranalogie: Tötet ein Parasit alle kleinen Bäume, sichert eine Giraffe mit einem längeren Hals gegenüber der normalen Rasse den Fortbestand ihrer Art, weil sie an die Blätter höherer Bäume kommt. Hätten alle Giraffen in diesem Fall gleichlange Hälse, so würden sämtliche Giraffen verhungern und die Spezies stirbt aus.)
Also warum wollten wir nochmal alle gleich sein? So schön wie das Model auf dem Plakat?

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Quelle: https://www.facebook.com/embracethedocumentary // Copyright unknown

Wir sollten also Unterschiede feiern und unsere Energie dafür verwenden ein freundlicherer Mensch, ein hilfsbereiterer Mensch, ein gesunder Mensch, ein nachhaltiglebender Mensch und ein friedliebender Mensch zu sein. Wir sollten anfangen zufrieden mit uns zu sein und vermeintliche Macken an uns akzeptieren.

EMBRACE ist ein Film, der viele schockierende Bilder über unsere Gesellschaft zeigt, zum Umdenken anregt und die Welt ein klein wenig besser machen will.

Bedauerlich fand ich, dass man in unserem Kinosaal fast nur Frauen traf. Männer, wo ist euer Interesse? Und dann befürchte ich leider, dass sich genau die Menschen diesen Film angesehen haben, die sich eh öfter mit der Thematik auseinandersetzen. Theoretisch müsste diese Dokumentation an Schulen gezeigt werden und im öffentlich-rechtlichen Fernsehen – damit auch Menschen erreicht werden, die zwar Opfer des Themas aber noch keine Mitdenker sind. Ich hoffe nicht, dass der Hype an diesem einen – gestrigen – Tag nun wieder in den Massenmedien versinkt, sondern dass der Film nachhaltig Früchte trägt, damit meine zukünftigen Töchter einmal anderen Rolemodels ausgesetzt sind.

Wenn ihr den Film jetzt noch nachträglich sehen wollt – kauf euch HIER die DVD (ab 18.Mai erhältlich).

Ich drücke euch ganz fest.

Küsschen, eure Stephie

3 Kommentare

  1. Hallo Liebes,

    das ist ein ganz toller Artikel und ich stimme dir mit jedem einzelnen Wort zu. Ich selbst habe zum Beispiel nicht mit bekommen das man den Film gucken kann, bzw. Das es ihn gibt. Und ich bin der selben Meinung das so ein Film am besten als Schulprojekt dauerhaft aufgenommen werden sollten. Je früher desto besser.
    Liebe Grüße
    Stephi

    Gefällt 2 Personen

  2. Hallo Stephi,
    danke für den tollen Blogbeitrag, den ich dir vollkommen zustimme. Ich konnte den Film nicht sehen. Jedoch habe ich mich damit auseinandergesetzt. Eine solche Kampagne ist dringend notwendig, denn diese ist ein Sprachrohr für vieles. Ich bin der Ansicht, das Thema gehört dringend an Schulen, denn dort sitzen die nächsten Opfer. Dafür mache ich mich stark. Hoffentlich bleibt die Kernaussage des Filmes keine Eintagsfliege.
    Viele Grüße
    Michaela

    Gefällt 1 Person

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