Und plötzlich sehen es alle… – Lipödem an den Armen

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Ihr Lieben,

eine ganze Zeit habe ich jetzt nichts mehr zum Thema Lipödem geschrieben, was nicht heißt, dass das Thema keine Relevanz mehr für mich hat. Ganz im Gegenteil. Mein ganzes Leben dreht und dreht sich um diese schei* Krankheit und wenn ich ganz ehrlich bin, würde ich sie so gern einfach ignorieren.
Ganz einfach das Wort Lipödem aus meinem Wortschatz streichen, nie wieder darüber reden, keine Fragen mehr dazu beantworten und diese dumme Kompression einfach verbrennen.

Doch all das geht momentan noch viel schwerer, als es die letzten 24 Jahre meines Lebens der Fall war.

Die Krankheit fängt an mich einzuschränken – Tag für Tag ein klein bisschen mehr. Das spüre ich.

Ich war eine der glücklichen, die bisher kaum wirkliche Schmerzen hatten. Wenn mal was war, schob ich es auf das Übergewicht oder die Aktivität des vergangenen Tages. Seit der Diagnose hingegen, habe ich Schmerzen in den Beinen. Erträglich – aber sind Schmerzen. Die Arme taten mir hingegen nie weh. Bis zu diesem Sommer.

Dieser Sommer war der Lipödem-Horror. Jeder, der die Krankheit hat, versteht, was ich meine. Es war einfach viel zu lange viel zu heiß. Mit Kompression ging es überhaupt nicht, ohne eigentlich auch nicht! Und dazu saß ich meine kompletten Semesterferien in einem Büro vor einem PC auf meinem Hintern. – Pflichtpraktikum für die Uni. Ich nahm für mich einiges aus diesem Praktikum mit – zum Beispiel neue Schmerzen. Wo? IN DEN ARMEN!

Ich sprach mit meiner lieben Freundin Caroline von Lipödemmode.de und ging dann zum Arzt. Ich wusste, was auf mich zukommen würde – Kompressionsbestrumpfung an den Armen. Da wo es einfach jeder sieht.

Wie bei allem heutzutage, bekommt man die Kommentare ungefragt nur so um die Ohren gehauen.

Meine kleine Schwester meinte zum Beispiel, dass ich ja nun eingepackt sei wie ein Michelin-Männchen. Meine Abteilungsleiterin im Praktikum schmiss mir pseudo-empathisch vor die Füße, dass ich ja mit der Krankheit gar nicht arbeitsfähig sei, da mir 8,5 Stunden am PC sitzen Schmerzen bereitet. Und wenn mir nochmal einer sagt, dass die Armbestrumpfung cool ausschauen würde, dann knall ich sie ihm um die Ohren.

Versteht mich nicht falsch – ich bin keinem um seinen Kommentar böse. Wirklich nicht. Ich mache häufig gute Miene zum bösen Spiel. Woher sollen die Menschen um mich herum wissen, wie sehr solche Kommentare in mir widerhallen. Ich sitze in der U-Bahn und überlege mir, was die starrenden Menschen sich für Erklärungen ausmalen, warum ich bunte Handschuhe trage. Oder was mein Yoga-Kurs denken mag, wenn ich da von oben bis unten in Kompression sitze und nach Luft schnappe, weil es mir in die Magengrube drückt. Ich überlege mir, ob ich es verstecken soll, wenn ich neue Menschen kennenlerne… Ob es das erste und das letzte Date sein wird, wenn ich mit Armkompression erscheine…

Plötzlich sehen es alle.

So viele Gedanken habe ich mir bei den Strumpfhosen bei Weitem nicht gemacht. Eine Strumpfhose griff gefühlt nicht so in mein Leben ein, wie es die Armstrümpfe tun. Ich möchte euch auf keinen Fall Angst machen. An manchen Tagen fällt es mir sehr leicht, mich in der Öffentlichkeit mit bunter Kompression, wie die von medi auf den Bildern, zu zeigen. An manchen Tagen ist das Leben damit einfach noch schwergängiger und anstrengender, als für jeden von uns ohnehin manchmal ist.

Das Einzige, was mich dann wieder Kraft finden lässt, ist die Verantwortung für andere stark sein zu wollen. Sichtbar zu sein, Aufmerksamkeit zu generieren und vielleicht eines Tages etwas dazu beigetragen zu haben, dass man die Krankheit kennt, sie besser behandeln kann und ernstgenommen wird.

Küsschen, eure Stephie

P.S.: Danke an Medi für die unglaubliche Wertschätzung und Unterstützung meiner Arbeit. Deren Produkte zur Armkompression findet ihr hier: https://www.medi.de/produkte/mediven-550-arm/

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